Psalm 31
Januar 6, 2011
“Ziehe mich aus dem Netz, das sie mir heimlich gelegt haben; denn du bist mein Schutz.” Ps 31,5
Beispielhaft für den ganzen Psalm erzählt dieser Vers von dem Mann, der um Hilfe zu Gott schreit. Der Mann hat Gegner auf mehreren Fronten, die ihn auf verschiedene Art und Weise versuchen psychisch, physisch und geistlich anzugreifen, um ihm schlussendlich das Leben zu nehmen (V 14). Dieser Mann kämpft einen Kampf. Überhaupt habe ich den Psalm deshalb gelesen, weil Gott mir in meiner stillen Stillen Zeit gesagt hat: Lukas ich will dich lehren, schlag Psalm 31 auf. Auf Bibelroulette stehe ich nicht, aber siehe da, es gibt Psalm 31 und Gott hat tatsächlich gesprochen.
Während ich den Psalm gelesen habe, hat Gott mir gezeigt dass dieser Mann einen Kampf kämpft. Es geht ihm um Leib und Seele. Er wird verschmachten, wenn Gott nicht eingreift. Die Message war klar. Entweder ich kämpfe in meinem Leben gegen die Gefangenschaft und vertraue, dass Gott hilft, oder ich gebe mich meinen Gegnern geschlagen und übernehme ihre Lebenseinstellung, Glaube, Verhalten und Denken. In Kriegsgefangenschaft, oder auch in Geiselnahme kann es ja passieren, dass ich aufhöre gegen meine Peiniger zu kämpfen und eine Allianz mit ihnen eingehe. Gott hat mich durch diesen Text stark gewarnt und mir gezeigt, wo ich da aufpassen muss, also wo ich wieder richtig wütend darauf werden darf. Eine Allianz mit dem Feind einzugehen bedeutet im geistlichen Kampf, anders als im menschlichen Kampf, den unweigerlichen Verlust und dann den Tod.
Das perverse Geschwätz der Wachen, wovor man sich kaum erwehren kann entweder in Verachtung oder in Belustigung darüber zu lachen. Die Sicherheit einer Zelle, in der mich keine anderen Feinde angreifen können, außer derer, die ich schon kenne. Die Geborgenheit eines Verließes, in das noch nicht mal mein Peiniger rein kommt. Die ach so einfache Beschäftigungsmaßnahme des Steineklopfens wo ich kein Risiko eingehen muss, außer so tun als ob ich mich beeile. Das immer gleiche schlechte, aber doch nahrhafte Essen, das regelmäßig kommt und dann und wann etwas Fleisch enthält.
In all diesen Verhältnissen, so schlecht sie auch auf den ersten Blick sein mögen, langsam aber sicher kann man das Gute darin finden. Bevor man sich versieht, ist die Gefangenschaft doch gar nicht mehr so schlimm, und man hört auf dagegen zu kämpfen. Gott hat mir hier gezeigt, die Option zum Kampf gegen die Gefangenschaft ist das Wertschätzen der Gefangenschaft.
Hier habe ich mich vom Heiligen Geist von meiner Sünde überführt gefühlt. Zu häufig sehe ich doch etwas gutes in den Zügen der Gefangenschaft oder meiner Kriegsgegner, des maßlosen Internetkonsums, der Hetze durch die Emails, des Getriebenseins von ach so dringenden Anfragen und die perverse Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse, wozu ich auch die Völlerei zähle. Das Gute darin zu sehen wird einem ja beigebracht. “Man muss doch das gute finden.” “Es gibt immer eine gute Seite daran.” Gottes Antwort ist: Es gibt nichts gutes an der Gefangenschaft, der Verfolgung, der Gottlosigkeit, der Lebenslügen, der Heimlichkeiten, der Bedrängnis, der Unfreiheit, der Dunkelheit, der Verschwörung und der Hetze. Nichts. Es ist auch nicht zu suchen!
Man wird das Gute darin finden, aber damit gebe ich meine Freiheit auf. Die Folge ist die Allianz mit dem Feind auf der Grundlage seiner Werte und Maßstäbe. Das ist die unmittelbare Kapitulation meiner eigenen Werte und Maßstäbe, ja die Verleugnung meiner Loyalität gegenüber YHWH.
“Complacency” ist so ein Stichwort. Wohlbehagen zu finden, in jeder Situation ist absolut abzulehnen. Die Verhältnisse des Krieges, oder des Angriffes so wertzuschätzen, dass man darin Wohlbehagen findet ist absolut entgegen Psalm 31. Das geht zwar, und wenn man ganz arg genügsam ist, dann reicht ein bisschen altes Brot und Wasser um einen zufrieden zu stellen, aber das ist falsch. Das ist nicht die Berufung, zu der uns Gott berufen hat. Dann haben wir uns abgefunden mit den Dingen des Feindes, gegen die es zu kämpfen gilt.
Die Antwort ist der Kampf gegen alle Gefangenschaft. Für mich ergibt sich eine neue Denke daraus. Zu lange akzeptierte ich Dinge, die mich gefangen nehmen, oder gefangen nehmen könnten. Z.B. das perverse Geschwätz der Wachen lässt sich mit den unzähligen Chancen des gedanklichen Ehebruchs im Internet vergleichen. Ab sofort akzeptiere ich da nicht mehr die Spur davon und sage: “Bei dir, Herr, habe ich mich geborgen; lass mich niemals zuschanden werden; rette mich in deiner Gerechtigkeit.” (V 2)
Danke Vater für dein Wort! Hilf mir Heiliger Geist den Kampf des Glaubens zu kämpfen!