Heute ist es mir wieder passiert. Total enttäuscht entdecke ich mich auf meinem Fahrrad. Den Tränen nahe, weil ich nicht begreifen kann, wie man mir das antun kann. Eigentlich genieße ich die Sonne und

den blauen Himmel. Ich genieße mein tolles Fahrrad, die neuen Pedale, die ich mir gekauft habe, die sehr gut aussehen und dazu noch super funktionieren. Ich genieße es, von den Leuten, die ihren Sonntagsspaziergang machen angeguckt zu werden,… der Dreck vom matschigen Waldboden scheint sich gut sichtbar in meinem Gesicht platziert zu haben,… Ich genieße die Wärme und dass ich ohne regenabweisende Jacke im April in Gießen radfahren kann. Dazu genieße ich die Geometrie von meinem Fahrrad, dass einen geilen Antritt hat, es scheint als ob ein Motor eingebaut wäre. Ich kann die Gänge gar nicht schnell genug nachlegen, mein Rad haut unter mir ab. Geil! Dann höre ich den Leerlauf in der Hinterachse regelmäßig klicken, wenn ich die Pedale mal für einen Moment stillhalte. Aber dann kommen mir wieder die Tränen und ich bin total enttäuscht. Ich fahre weiter und lasse Gott durch die hammers vielen geilen Sachen heute diese Schwermut und die Enttäuschung verdrängen.
Aber sie will einfach nicht wirklich verschwinden. Immer wieder denke ich: „Heute schmeiße ich es einfach hin!“.
Dann denke ich: „Nein, das ist nicht Gottes Plan mit mir. Ich weiß ich bin in dieser Gemeinde um ihr zu dienen, nicht damit sie mir dient.“. Trotzdem bin ich enttäuscht. „ICH WÜNSCHE MIR DAS GANZE EINFACH ANDERS! So will ich es nicht machen, das will ich hier nicht mitnehmen/lernen.“
Dann komme ich in meinem Keller an, schließe mein Fahrrad ab und will hoch gehen, da kommt noch eine Welle Schwermut, will sich mir um den Hals schmeißen. Ich denke, jetzt gibts nur noch eine Reaktion: „Nein! Ich lasse mir von dir nicht mein Leben versauen. Du bist Lüge! Vater, hilf mir die Wahrheit zu sehen und mit Mut in der Gemeinde zu leben!“. Als ich oben in meiner Wohnung ankomme und drauf und dran bin, meine Zeit mit surrealem cyberworld surfing zu vertreiben kommt mein Mitbewohner ins Zimmer. Während des Gesprächs stellt sich raus:
„Es ist Sonntag, ich war im Gottesdienst. Ich habe einen Kulturschock. Nicht die Gemeinde und die Leute auf der Bühne sind scheiße, sondern sie haben eine andere Kultur als ich.“ Hallelujah! Preist den Herrn! Ich bin froh, dass Gott der Gott der Kulturen ist, und diese auch noch liebt. So weiß ich einmal mehr: Auch wenn man qualitativ und im Hinblick auf die Vision vieles in unserer Gemeinde besser machen kann, so ist es gut, dass ich nicht die gleiche Kultur habe. Also ist mein Gebet heute:
„Vater, richte alles in mir zu Tode, dass mich davon abhält meine Mitmenschen zu lieben und mich von Kultur abhängig macht. Ich will nur von dir abhängig sein! Ich will weiter einfach ohne Bezahlung geben, denn ich bekomme von dir umsonst! Die Kultur in dieser Gemeinde gefällt mir überhaupt nicht, lass mich aber ich will aber von ihnen lernen. Ich stecke meine Pflöcke weit, sodass du die Grenzen setzt und die Wege führst und nicht ich! Ich lebe dir zur Ehre, nicht mir zum Wohlgefallen! Schenke du Freude,… mir,… der Gemeinde,… jedem! Ich habe nichts, was ich nicht von dir hätte, also ziere ich mich nicht vor einer fremden, mir total zurückgeblieben erscheinenden Kultur. Gieß aus deine Liebe mit Macht. Dir allein, allein dir, dir allein alles!“
- Mir ging ein Licht auf, dass ich jeden Sonntag brauche!
Vielleicht schreibst du mir deine Kulturschockgeschichte.
Schönen Sonntag.

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